Dekompilierung meiner Software – kann ich das verhindern?

Veröffentlicht am 22. Oktober 2021 von Dr. Max Greger | IT-Recht Urheberrecht | 0 Kommentare

„Unsere Software wird nicht dekompiliert! Sonst kann ich sie gleich verschenken.“ 👨‍💻❌ Das meinte neulich ein Mandant am Telefon zum Thema Dekompilieren im Rahmen einer Vertragserstellung. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, was Dekompilieren überhaupt ist und ob man die Dekompilierung der eigenen Software verhindern kann.

Was heißt eigentlich Dekompilieren? 

Dekompilieren = Rückübersetzen von ausführbarem Objektcode zu „menschenlesbarem“ Quellcode.

Beispiel für Quellcode:

WENN (Bedingung = WAHR) DANN {

SCHREIBE „HALLO“;

}

Beispiel für Maschinencode:

1101 0000 0000 0111 1011 1011 1111 1110 1000 1010

1101 0010 0000 0111 1111 ……

(Beispiele sind natürlich stark vereinfacht und frei erfunden. In jeder Programmiersprache würde es etwas anders aussehen)

Kann man Dekompilieren verbieten?

Ein Verbot bedarf eines Rechts an dem Programmcode (sonst dürfte ihn ja jeder Nutzen, also auch dekompilieren).

Quell- und Objektcode sind nach § 69a Urheberrechtsgesetz (UrhG) geschützt (so, als wäre es ein Sprachwerk). Das Kopieren oder Verändern von Code ist ohne Zustimmung des Urhebers (bzw. des Softwareunternehmens) nicht zulässig.

Dekompilieren von Software kann ausnahmsweise zulässig sein. Die wichtigsten Voraussetzungen:

  1. Zweck der Dekompilierung: Die Dekompilieren muss zur Erlangung von Informationen dienen, die die Interoperabilität mit einem anderen, unabhängig geschaffenen Programm ermöglichen

    Beispiel: Schnittstelleninformationen

  2. Umfang der Dekompilierung: Eine Dekompilierung darf sich nur auf den Teil erstrecken, der für die Interoperabilität notwendig ist.
  3. Alternativlosigkeit der Dekompilierung: Die benötigten Informationen dürfen dem Dritten „nicht ohne Weiteres“ zugänglich sein. Dritte dürfen also mit dem Rückübersetzen also erst beginnen, wenn die Infos nicht veröffentlicht oder auf Nachfrage nicht herausgerückt werden.
  4. Nutzung nur für Interoperabilität: Die erlangten Informationen dürfen nur (!) zum Zweck der Interoperabilität verwendet werden.
  5. Keine Nutzung für Konkurrenzprodukt: Die erlangten Informationen dürfen nicht im Rahmen der Entwicklung eines vergleichbaren Programms genutzt werden

Gibt es noch andere Ausnahmen?

Letzte Woche (am 6.10.2021) hat der EuGH entschieden, dass eine Dekompilierung nicht nur zu den oben genannten Zwecken (Interoperabilität) zulässig ist sondern auch, wenn es zwigend zur Fehlerbehebung nötig ist (EuGH Az. C‑13/20)!

Fazit

Zum einen können Sie die Dekompilierung in der Regel nicht durch Vertragsklauseln verhindern. Zum anderen ist die Herausgabe von beschränkten Informationen zur Herstellung einer Schnittstelle oder die Mitwirkung an der Fehlerbehebung meist besser als eine Dekompilierung .


Fragen zu diesem Thema? Gleich anrufen:
telefon icon 089 / 286 34-351

Natürlich freue ich mich auch über einen Kommentar! 

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