Facebook Fanpage, Insights und die gemeinsame Verantwortlichkeit (Joint Control)

Veröffentlicht am 22. Februar 2021 von Dr. Max Greger | Datenschutz Social Media | 0 Kommentare
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facebook fanpageBetreibst Du eine Facebook-Fanpage und siehst Dir öfter mal die Insights, also die statistischen Daten über Ihre Gruppe an? Wusstest Du, dass Du dadurch zum Verantwortlichen im Sinne der DSGVO wirst?

Auf jeden Fall solltest Du diesen Beitrag aufmerksam lesen, damit Du weißt, was Du tun musst, damit Du diese Insights datenschutzkonform einsehen kannst. finger right

Was ist eine Facebook-Fanpage?

Ich gehe davon aus, dass Du mindestens einen „stinknormalen“ Facebook-Account hast (als Privatperson). Über diesen Account kommunizierst Du in der Regel mit Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern, aber vielleicht auch mit Deinen entfernteren Bekannten oder Arbeitskollegen.

Nun gibt es noch eine weitere Form von Accounts, nämlich sogenannte „Fanpages„. Das sind die kommerziellen Accounts, mit denen sich entweder Gesellschaften oder natürliche Personen als Unternehmen präsentieren. Dazu gehört z. B. eine Schule, ein Fitnessstudio, eine Künstlerin usw. Sinn und Zweck der Fanpage ist es, nicht lediglich mit anderen zu kommunizieren. Vielmehr kannst Du mit der Fanpage viel mehr anstellen. Insbesondere kannst Du gezielt Werbung für Dich schalten und Dir auch gezielt Daten Deiner Zielgruppe über die Nutzung Deiner Fanpage (sog. „Insights„) ansehen.

Entscheidung des EuGH: Als Fanpage-Betreiber besteht gemeinsame Verantwortlichkeit nach Art. 26 DSGVO

Jahrelang herrschte Streit darüber, wer denn eigentlich bei einer solchen Facebook-Fanpage datenschutzrechtlich verantwortlich ist. Mit Urteil vom 5. Juni 2018 entschied es der EuGH abschließend (Az. C-210/16 – Facebook Ireland Ltd.). Der EuGH entschied, dass zwar vordergründig Facebook verantwortlich für den Datenschutz ist. Denn Facebook bestimmt hauptsächlich über Mittel und Zwecke der Verarbeitung, also darüber, welche Daten der Nutzer wofür (Werbung!) erhoben werden. Das ist logisch, denn nicht Du kannst die Insights nach Belieben abrufen, sondern bist vielmehr darauf angewiesen, welche Daten Dir Facebook zur Verfügung stellt. Du hast also eigentlich gar keinen Einfluss darauf.

Andererseits hat aber das Gericht auch entschieden, dass auch Du verantwortlich im Sinne der DSGVO bist. Zwar kannst Du nicht gestaltend auf Facebook im Hinblick auf Mittel und Zwecke der Daten einwirken. Du sorgst aber erst dafür, dass überhaupt Daten an Facebook fließen, indem Deine Nutzer auf Deiner Fanpage landen.

Rechtlich gesehen liegt also eine gemeinsame Verantwortlichkeit nach Art. 26 DSGVO, auch Joint Control genannt, vor. Da es nun zwei Verantwortliche gibt, müssen auch beide die obligatorischen Datenschutzhinweise nach Art. 12 ff. DSGVO zur Verfügung stellen.

Merk Dir also: Sobald Du eine Facebook-Fanpage betreibst, benötigst Du die hierfür passenden Datenschutzhinweise!

Gilt das auch für andere Social-Media-Plattformen?

Freilich können wir die obengenannten Grundsätze auf andere Social-Media-Plattformen übertragen. Sehen wir uns z. B. Instagram an. Instagram ist mittlerweile Teil von Facebook und bietet ebenfalls für kommerzielle Accounts Seiten-Insights an. Auch hier kannst Du dann als Inhaber eines kommerziellen Accounts Statistiken und personenbezogene Daten Deiner Zielgruppe einsehen.

Die Folge: Als Betreiber eines kommerziellen Instagram-Accounts bist Du verpflichtet, Datenschutzhinweise zur Verfügung zu stellen.

Nicht anders wird es bei anderen Plattformen der Fall sein, wo Du ebenfalls Werbung schalten und Zugriffsdaten bezüglich Deiner Zielgruppe einsehen kannst.

Was ist mit den „normalen“ Social-Media-Accounts?

Im Umkehrschluss gilt die gemeinsame Verantwortlichkeit nach Art. 26 DSGVO gerade nicht für die gewöhnlichen  (privaten) Accounts. Denn hier hast Du keinerlei Zugriffsstatistiken von Deinen Social-Media-Freunden. Die personenbezogenen Daten erhebt dann ausschließlich die Social-Media-Plattform.

finger rightSehen Sie sich dazu auch den aktuellen Beitrag an: 

Fazit:

Als Betreiber eines gewöhnlichen Social-Media-Accounts benötigst Du keine Datenschutzhinweise. Anders ist das aber bei kommerziellen Seiten, wie z. B. einer Facebook-Fanpage oder einem kommerziellen Instagram-Account. Aufgrund der dann für Dich verfügbaren Insights giltst Du nach der Rechtsprechung als (mit)verantwortlich nach Art. 26 DSGVO. Du musst dann eigene Datenschutzhinweise bereitstellen.

Beitragsbild: GraphicsSCPixabay


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