Online Erpressung und Google-Geiselnahme

Veröffentlicht am 3. Mai 2006 von Arne Trautmann | Onlinerecht | 23 Kommentare

Law-BlogDas Internet ist eine tolle Sache. Wer eine Information sucht, mit seinem Blog eine Öffentlichkeit oder am Sonntag ein Buch, der wird dies – neben vielen anderen Dingen – hier finden. Aber das Netz ist ein Born der Freude, ein Hort der Lebenslust auch für Menschen und Unternehmen, die eher weniger willkommenen Aktivitäten nachgehen. Das beginnt bei unseriösen Vertragsangeboten und hört bei weit ernsteren Delikten noch lange nicht auf.

Eine interessante Masche ist die Geiselnahme von Google zur Erpressung von um ihren guten Ruf besorgten Menschen und Unternehmen. Denn sehr häufig ist es heute doch so, dass man den Namen einer neuen Bekanntschaft, eines möglichen Arbeitnehmers oder auch des Chefs schnell mal googled. Da ist es dann doch verdrießlich, wenn eine solche Recherche Ergebnisse bringt, die ein schlechtes Licht auf die betreffende Person oder das betreffende Unternehmen werfen.

Aus diesem Umstand lässt sich Geld machen. Das kann etwa so aussehen wie in der Email, die dem Law-Blog heute ins Haus flatterte:

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt!

In unserem Forum wird angezeigt, dass Sie einen unserer User hintergangen haben sollen. Bitte nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Forum (Webadresse) und nehmen Sie Stellung. Ansonsten rechnen Sie damit, dass man Sie in Zukunft bei Google unter Ihrer Firmierung law-blog.de ganz oben findet, wenn man nach Gangster, Anwalt und law-blog.de sucht.

Bitte nehmen Sie dies als ernste Warnung. Bei (Name) herrscht Recht und Ordnung. Helfen Sie mit! Das gilt auch als Anwalt!


Auf dem Fuße folgt natürlich der eigentliche Grund der Mail:

Streichung des Forenbeitrages zu law-blog.de gegen Einmalzahlung: Sollten Sie Interesse haben, dass wir den User-Kommentar streichen ist dies nur durch die Zahlung eines Unkostenbeitrages realisierbar. Anfragen mit Gebot in Euro bitte an (Emailadresse). Wir werden nach Geldeingang den Artikel zu law-blog.de sperren lassen.

Das ist natürlich nichts weiter als eine Erpressung:

§ 253 – Erpressung

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt und dadurch dem Vermögen des Genötigten oder eines anderen Nachteil zufügt, um sich oder einen Dritten zu Unrecht zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (…)

Die Drohung mit einem „empfindlichen Übel“ kann auch in einem Unterlassen bestehen, wenn der Täter – aus der Sicht des Opfers – insoweit Herr des Geschehens zu sein scheint, dass Herbeiführung oder Verhinderung des angedrohten Nachteils in seiner Macht steht. Hier also: wenn der Täter es in der Hand hat, einen tatsächlich oder vermeintlich negativen Beitrag zu löschen.

Das ganz besonders Spannende am vorliegenden Fall: das Forum, auf das die Mail verweist, weist eine Beteiligung an diesen Emails von sich:

Vorsicht Spammails im Namen von (Name). Aufgrund der aktuellen Situation möchten wir uns für Spammails die durch Unbekannte in unserem Namen versendet werden entschuldigen. Sollten Sie auch eine Mail mit folgendem, oder ähnlichem Inhalt bekommen haben erachten Sie sie bitte als gegenstandslos. Diese Mails werden eindeutig durch Firmen verschickt die sich bei uns im Forum wiederfinden. (…)

Das Ganze scheint mir jedenfalls ein Fall für die Staatsanwaltschaft zu sein.

23 Gedanken zu "Online Erpressung und Google-Geiselnahme"

wow! wenn das mal nicht dreist ist!

hab ich heute auch bekommen diese mail, scheint sich gerade ein neuer modetrend zu entwickeln…

Ganz großer Aufreger 😉

Taktisch eigentlich unklug, das an alle zu schicken und dann auch noch an bekanntermaßen nicht öffentlichkeitsscheue Blogger. Aus der Sicht der kriminalistischen Gewinnoptimierung hätte man das anders anfangen müssen…

ICH selbst habe keine solche E-Mail erhalten.

Aber die E-Mail-Header aller mir über Mailing-Listen zugänglich gemachten E-Mails waren SÄMTLICHST *gefaked*, so dass man – zumindest ohne großen Aufwand – nicht zuverlässig feststellen kann, von wem diese E-Mails tatsächlich stammen.

Haben die Betroffenen u.U. schon einmal daran gedacht, dass es der/dem Verfasser/in vorrangig darum ging, die referenzierten Websites und deren Betreiber (wer auch immer das sein mag) zu diskreditieren?

@Mascha: klar, das kann sein. Wäre aber auch ein Fall für den Staatsanwalt…

Ein paar Stunden, nachdem ich etwas laenger Recherchiertes ueber Rufmord im Internet veroeffentlichte, trudelte so etwas auch in den USA ein. Weil ich anders als Herr Kollege Seidlitz den Anwalts-Thread Snakecity geloescht hatte, dachte ich an einen Zusammenhang – wie zuvor einmal bei einer Attacke nach einem Bericht zum Phishing. Die Forderung lautete nicht auf Geld – statt dessen enthielt sie eine Liste aller schon diskreditierten Unternehmen.

Da kommt etwas auf die Suchmaschinen und Foren zu! Snakecity hat ohnehin schon Einiges zu ertragen, und andere Foren werden sich nach Heise in Hamburg und solchen Erpresserbriefen auch Gedanken machen.

Zur Unterstuetzung einer Anzeige stelle ich natuerlich die hier eingegangene EMail gern zur Verfuegung.

Die Rufmord-Recherche brachte mich auf einen Gedanken, der auch zu diesen Mails passt: Ein Blog oder Forum fuer die Opfer. Opfer verstecken sich, wollen nicht genannt werden, leiden schlaflose Naechte. M.E. bleibt immer etwas haengen, weil selbst der schlimmsten Webseite von manchen geglaubt wird. Man muss diese Dinge ans Licht der Oeffentlichkeit bringen.

Ist das die andere Seite des Heise-Urteils ?

Derzeit streiten die Foren wie wild um nicht in die Gefahr zu geraten alles kontrollieren und streichen zu müssen und hier gibt es die andere Seite die damit noch Geld verdienen will 🙁

Derartige Mails habe ich schon vor geraumer Zeit bekommen.. Interessant dabei ist im Besonderen das sich unter meinen Domains unter anderem mein Familienname befindet oder ähnliches. Folge: Es hat mich natürlich zu tiefst geschockt, dass ich unter meiner „Firmierung Gramespacher“ demnächst als Gangster … pp. zu finden sein werde. Ich denke man hat es hier mal wieder nicht nur mit Erpressung sondern freilich auch Betrugsversuchen zu tun… Was aber bei genauerem Hinsehen klar ist (s.o. M. Seidlitz): Das ist alles gefaked.
Naja… mit dem neuen TMG wird ja alles besser ?!;)
Jedenfalls ist es bedrückend, wie durch derartige „Maschen“ mit dem Gewissen, der Unsicherheit und der Unerfahrenheit mancher User gespielt wird (s. unter anderem: Schmidtlein GbR, div. Phishing Mails von Banken und nun das!)
In diesem Sinne: Gute Nacht:)

einfach unglaublich dass sich welche auf kosten anderer bereichern wollen :*(

Mit so ähnlichen Mails kamen bei uns auch schon einige Kunden an. Allerdings ist mir nicht bekannt, dass es auch wirklich zur Durchführung dieser Drohungen kam. Meiner Meinung nach ist das doch eher Spam.

Eine sehr beliebte Masche einiger Foren ist es,
bewusst Themen über Bekannte und stark frequentierten Webseiten zu eröffnen.

Hierbei wird bewusst kritisch über bekannte Seiten berichtet,
und bewusst Worte wie Betrug, Abzocke und so weiter eingesetzt.

Sehr schnell finden sich so Mitbewerber, Spaßvögel, manchmal auch Forenbetreiber selbst welche Ihre Chance nutzen und als vermeidlich Geschädigte auftreten,
so dass der Beitrag schnell wächst.
Sehr zum Unmut der genannten Seiten.
Der einzige der dadurch einen Vorteil hat, ist der Forumbetreiber.
Das alles unter dem Deckmantel,
ja nur anderen wichtige Informationen zukommen zu lassen.

Doch es geht keineswegs um Informationen, sondern um Besucher des Forums,
welche dann auf der Seite der Forenbetreiber auf eine Vielzahl an Affiliate –Links stoßen.

Der Forumbetreiber verdient an den so gewonnen Besucher.
Auf Nachfragen, tritt der Forumbetreiber mit der gleichen (online Erpressung –Masche), an die Geschädigten und aufgeführten Unternehmen heran.
“In unserem Forum fühlt sich einer unserer User hintergangen“
Das hat nicht das Geringste mit uns zu tun.
Aber sicher finden wir einen Weg das aus der Welt zu schaffen, vielleicht sollten wir uns dazu einfach einmal treffen. Natürlich versucht sich der Forumbetreiber hinter vermeidlichen Usern zu verbergen, und kann nur gegen eine geringe Gebühr von x € den genannten Beitrag löschen, so das dieser nicht mehr bei Google gelistet wird.

Es gibt ja viele dreiste Maschen im Netz, aber das ist wirklich extrem.

Das ist ja mal krass, aber das bringt den Anwälten ja auch Klienten….

Tolle Geschichte. Kaum zu glauben! 🙂

Ich denke, wie so oft im Leben hat auch die „Google-Medaille“ zwei Seiten. Auf der einen Seite ist es sicher von Vorteil, dass durch „googeln“ sehr schnell Betrüger entlarvt werden können, das gibt auch dem „kleinen“ Mann von Zeit zu Zeit eine Handhabe gegen große, juristisch gut abgesicherte Gegner. Die andere Seite ist aber natürlich der dargestellte Fall. Wie ist das, wenn die Mail nicht gekommen wäre? Kann nicht der Forumbetreiber einfach eine Gebühr für Löschung verlangen? Sollte eigentlich rechtens sein. Und wie ist es, wenn er seine Besucher zu negativen Aussagen anspornt? Sollte auch legal sein, wird ja in vielen Verbraucherportalen auch so gemacht. Sobald ich das kombiniere sind wir schon in einem moralisch bedenklichen Bereich…. Aber ich befürchte, eine einfache Lösung für diese Form von Rufschädigung gibt es nicht, und ob die Entfernung dann Gebühr kostet oder nicht ist vielleicht oft – in Anbetracht der Schadenshöhe – zweitrangig.

Ich denke man hat es hier mal wieder nicht nur mit Erpressung sondern freilich auch Betrugsversuchen zu tun… Was aber bei genauerem Hinsehen klar ist (s.o. M. Seidlitz): Das ist alles gefaked.
Naja… mit dem neuen TMG wird ja alles besser ?!;)
Jedenfalls ist es bedrückend, wie durch derartige “Maschen” mit dem Gewissen, der Unsicherheit und der Unerfahrenheit mancher User gespielt wird .

Offensichtlich bietet momentan das Internet momentan immer noch zu viele Möglichkeiten für Betrüger.
Mit derlei Praktiken soll doch nur den Leuten das Geld aus den Taschen geschüttelt werden.

Ich bin zufällig in diesen Blog gestolpert. Eine unglaubliche Geschichte, und man darf dreimal auf Holz klopfen, dass man verschont bleibt.

Immer neue Tricks und Neppereien – also Augen offen halten!

Grüße Sie alle zusammen

Das Internet bietet ja ganz fröhlich Möglichkeiten an in Richtung Betrug, Erpressung und was es sonst noch für Ferkeleien gibt.
Mich würde einmal sehr interessieren, ob es irgendwo eine Liste gibt, die frei zugänglich ist und diese „vielseitig Interessierten“ Mitmenschen auflistet – also Firmennamen meinetwegen.
Über die Verbraucherzentrale ist das nur mit Kosten möglich – was den Sinn der Verbraucherberatung etwas in Frage stellt ( telefonisch 1,50€ p.Minute), denn das ist in gewissem Maße sicherlich auch recht fragwürdig.
Selbst habe ich nämlich gestern auch eine Mahnung einer Firma bekommen, die mir absolut nicht bekannt ist und dabei einen minimalen Rechnungsbetrag, der angeblich vorher 3,64€ betragen haben soll und dabei eine Summe von 1,14€ gezahlt worden sein soll – und man sich nun, nach 6 Monaten nun diese Mahnung.

Ist das wieder ein neuer Trick, um mit minimalen Einsätzen viel herauszuholen? Könnte mir denken das in Anbetracht der doch sehr kleinen Forderungssumme fast jeder zahlen würde.

Hat man als Kunde / Verbraucher überhaupt eine Chance selbst herauszubekommen, welche Firmen tatsächlich sauber arbeiten und bei wem man doch tatsächlich an Abzocker gerät?

Bin zufällig über eure Seite gestolpert und ich muss sagen ich war schon etwas geschockt, was ich da las. Leider werden wohl auch sehr viele auf diese Mail „reinfallen!“