Airbus und die Managementfehler, sanktionierbar?

Veröffentlicht am 28. Februar 2007 von Sonja Drexl-Trautmann | Gesellschaftsrecht | 7 Kommentare

Law-BlogDerzeit fühlen sich Politiker aller Couleur berufen, sich in die Diskussion um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Airbus einzumischen. In aller Linie wird dabei auf die angeblichen oder tatsächlichen Managementfehler hingewiesen und das obwohl diese wohl kaum rechtlich sanktionierbar sein dürften.

Ohne für Manager generell eine Lanze brechen zu wollen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass das Vokabular („Fehler“) wohl nicht angebracht ist. Manager agieren und treffen Entscheidungen, das ist ihr Job, dafür werden sie bezahlt. Ein Manager steht immer im Spannungsfeld zwischen dem Nutzen von Chancen, verbunden mit den damit einhergehenden Risiken, und der Absicherung von Bestehendem. Manager stehen in der Regel in einem Dienstverhältnis, das heißt ein Erfolg der Arbeit, also steigende Umsätze und tolle Ergebnisse, sind rein rechtlich nicht geschuldet. Dies gilt im Übrigen für alle Angestellten, die in einem Dienstverhältnis stehen. Leider erweist sich eine Entscheidung, die auf Management-Ebene gefällt wird, meist erst in einer ex post Sicht als gut oder schlecht. Oder anders ausgedrückt: hinterher ist man immer schlauer.

Im Rahmen des Mannesmann-Prozesses hatte ich schon einmal auf den Ermessensspielraum bei Management-Entscheidungen hingewiesen, nur in diesem Rahmen sind sie auch sanktionierbar und führen gegebenenfalls zu einer Haftung. Dieser Ermessensspielraum ist zu Recht weit gefasst. So heißt es im § 93 AktG, dass eine Pflichtverletzung eines Vorstandsmitgliedes nicht vorliegt, wenn

„das Vorstandsmitglied bei einer unternehmerischen Entscheidung vernünftigerweise annehmen durfte, auf der Grundlage angemessener Informationen zum Wohle der Gesellschaft zu handeln“.

Dieser Satz ist mehr unter dem Begriff der „Business Judgement Rule“ bekannt. Wäre der Ermessensspielraum nicht ein weiter, würden sich wohl kaum mehr gute Kräfte zur Führung eines Unternehmens finden lassen. Der Boom von D&O-Versicherungen hat seine Gründe.

In einer Rückschau auf die Manager von EADS oder Airbus, einzutrommeln, halte ich persönlich schlicht für Polemik und Stimmungsmache, so ähnlich wie die Rundumschlag-Diskussionen um Killerspiele oder Gebärmaschinen. Natürlich gibt es eine ethische Verantwortung von Unternehmen. Man kennt diese noch von den Krupps und den Siemens, sprich aus den alten Zeiten der Familienunternehmen. Meines Erachtens ist es aber nicht zielführend, diese Werte auf die heutigen Gesellschaften, oft große Publikumsgesellschaften, ungefiltert zu übertragen. Aber vielleicht sind Sie auch anderer Meinung.

7 Gedanken zu "Airbus und die Managementfehler, sanktionierbar?"

Hallo Frau Drexl-Trautmann,
Ihre Anworten-Sie Motivation hat bei mir jedenfalls sehr erfolgreich gewirkt. 😉

Ich bin anderer Meinung und dann wieder nicht. Das kommt so:

Natürlich kann man die Verhältnisse der Familienunternehmen nicht auf heute übertragen. Woher kam aber die Motivation der Familienunternehmer (ich will Sie jetzt einmal so nennen) sich so ganz anders als die äh viel Manager heute für Mitarbeiter und Nachhaltigkeit zu engagieren. Ich denke es resultiert ganz einfach aus Erziehung, Moral und nachhaltiger unternehmerische Einsicht in den gesunden Menschenverstand. Angesichts von Millionenbeträgen als Abfindungen von nachhaltig unerfolgreichen Managern kann ich die egoistische Gier mancher gut nachvollziehen und wüßte auch nicht, wie ich statt ihnen handeln würde.

Daimler Mitarbeiter zahlen jahrelang die Zeche für die größenwahnsinnigen Experimente der Konzernführung, die für Ihren Mißerfolg noch honoriert wird.

Es gilt meines Erachtens nach auch nicht immer, dass man nur hinterher klüger ist. Es gab genug stimmen, und es wäre einmal sehr aufschlußreich sie aufzulisten, die vor einer Daimler-Chrysler Fusion gewarnt haben. Es gab auch in den letzten Jahren immer wieder viele Stimmen, die kritisiert haben, wie die nationalen Einflüße für immer mehr logistische und unternehmerische Schieflage im Airbus Konzern sorgten.

Nur diese Stimmen werden von – nicht allen – Konzernlenkern selten gehört. Ich weiß nicht inwieweit sie mit Führungspersonen grßer Konzerne persönlich bekannt sind – aber gerade bei den TOP 100 ist in den Medien eine Übersteigerung des Selbstbewußtseins zu erkennen, die für mich manchmal pathologische Züge annimmt.

Ich möchte Ihnen aber auch recht geben – die letzten die es sich erlauben dürfen auf den Managern herumzuhacken sind die Politiker. Diese haben wie schon oft mit ihren nationalen Interessen eigentlich zum Debakel bei Airbus geführt. Oder würden wir heute darüber diskutieren, wäre es nicht zum berühmten Kabelbaumlängen-Problem gekommen?

Poloitik und Wirtschaft taugen nicht mehr in heutigen Zeiten als Hort von Moral und – so altmodisch es auch klingen mag – Anstand. Leider fallen auch Familie, Schule und und und als Instanzen hierfür mehr und mehr flach.

Die Kirchen grenzen sich widerrum als realitätsfern aus – dabei hätten sie viel zu sagen und könnten auch Ihre Mitgliederprobleme dadurch lösen, dass Sie am Leben Ihrer Lämmer wieder mehr teilnehmen würden. Dies ist aber nicht zu erwarten.

Ein pessimistischer Ausblick also.

Gruß nach München

Die Airbuskrise will ich persönlich dieses Mal gar nicht am Management alleine aufhängen, viel mehr haben wir doch hier ein sehr deutlichen Zeichen, wie sehr das was uns als Europäische Union voranbringen sollte verwaltet wird und im Kern der Sache – nämlich dem Zusammenhalt im positiven erfolgreichen Sinn für alle beteiligten Länder – so etwas von noch in den Kinderschuhen steckt, dass man im Grund hier noch nicht mal an die allerersten Laufschuhe des Babies denken sollte.

@Herr Schürmann: Ihr Kommentar zeigt mir, dass man die Frage um Moral, Sitte, Anstand und Werte – und sicher wpielt dies eine Rolle – nicht in einem Kurzbeitrag erschlagen kann. Mir ging es auch mehr um den juristischen Aspekt. Aber es geht es ja auch nicht um Recht haben oder nicht, wenn Sie auch in einem völlig Recht haben. Es gibt kaum mehr Instanzen (Politik, Kirche, Familie etc.), die vorbildlich eine Rolle spielen, wenn es um Moral, Sitte und Wertvorstellungen geht, ich habe das an anderer Stelle schon oft angemerkt. So sehr mich die Mixa-Kontroverse anwidert, im Kern bin ich der Meinung – als künftige akademisch ausgebildete Mutter, die vermutlich händeringend nach einem Krippenplatz suchen wird -, dass die altmodische Familie grundsätzlich (!) der Grundstein für eine Wertebildung ist und das Prädikat wertvoll per se verdient hat. Bleibt das Rückbesinnnen auf den eigenen „Bierdeckel“ und das Bestreben, gerade dort ein Zeichen setzen zu wollen. Wenn man dafür viele begeistern könnte, wären wir wohl ein Stückchen weiter ;-). Ich danke Ihnen für diesen Kommentar.

Der Mensch ist zu gierig und zu korrupt…

Ich habe Schwierigkeiten mit den Gehältern dieser leitenden Angestellten.

Sobald man in so einer Position mal die Million beiseite legen konnte (möglicherweise durch das Glück gerade während einen Boom im Vorstand gesessen zu haben und deswegen Fehler wenig Folgen hatten oder man gar nichts tun musste) ist man eigentlich für den Rest des Lebens ganz ordentlich abgesichert.

Die Arbeitnehmer aber, die die Entscheidungen ausbaden müssen, die sind es nicht. Die bekommen nach einem Jahr Arbeitslosigkeit ALGII.

Zudem hat man im Management mehr Möglichkeiten sein Salär zu verbessern. Mehr Gewinn durch mehr Acquise ist eine Variante, man kann aber auch seine Gewinne durch Sparen und Entlassen hochbringen. Wird man nach Unternehmensergebnis bezahlt, ist das egal. Oder bei den vergütungen wird nicht mit den Wettbewerbern verglichen. Dass Mannesmann so gut dastand war nicht Essers verdienst, sondern die Konjunktur, die Neuer Markt-Euphorie, die alle Telekommunikationsunternehmen nach oben spülte.

Sicherlich weiß man oft erst hinterher, dass man was falsch gemacht hat. Ok, dann bekommen die halt keine Firmenpension mehr. Wer vorher Millionen kassierte, wird doch wohl selbst für seine Rente sorgen können.

@Sonja: Liebe Frau Drexl-Trautmann, Sie haben da jetzt etwas bei mir berührt.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber haben Sie im Alltag Ihre Antennen immer ausgefahren? Gehen Sie mit aktivierten Sensoren für die Entwicklungen in Kultur, Gesellschaft, Politik und Recht durch Ihr privates und berufliches Leben.

Die Antwort ist wohl ja, sonst gäbe es dieses Blog nicht. Und dafür möchte an dieser Stelle ich Ihnen danken. Und Ihren Kollegen.

Und wissen Sie, was noch auffällt: Hier fehlt der zynische Ton vieler Ihrer Kollegen. Das mag viele Gründe haben, aber für mich ist es eine Freude dies zu sehen.

Um auf meinen Anfang zurückzukommen, wenn man aktuell die Antennen einigermassen sensibel ausgefahren hat und nicht nur eine Zeitung liesst, nicht nur ein Blog beobachtet, nicht nur eine Sendung im Fernsehen anschaut, sich auch einmal im Viertel umschaut, die Stadtentwicklung, das gesellschaftliche Leben mit dazu nimmt – es fällt doch etwas auf, oder?

Es sind diese vielen kleinen Entscheidungen die auffallen, die aber noch im Gesamtbild nicht bedrohlich oder angstmachend sind. Wer hat das Gesamtbild? Und wer zieht Schlüsse?

Wenn nicht fromme, aber religiöse Menschen plötzlich davon sprechen, es könnte Sinn ergeben, wenn nicht mehr jeder in Deutschland ein Wahlrecht genösse. Wenn Müttern armer Kinder von der Kanzlerin ins Gesicht gesagt wird: „Sie könne es verstehen, wenn es schwierig sei, immer die luxuriösen Wünsche der Kinder zu befriedigen“. Wenn abgeschobene Ausländer noch Ihres Urteils harrend ausgeflogen werden, auf Staatskosten? Und dann nach Prozeßgewinn berechtigt nach Deutschland zurückkehren? To be continued…

Die Familie kann einem und muß einem zur Zeit halt geben, sonst kann man diese Durchwurmung Deutschlands nicht aushalten.

Doch was tut man eigentlich selbst dagegen oder dafür. Alle organisieren sich in Verbänden und Lobbygemeinschaften. Und die aufgeklärten parteilosen Bürger – sie ziehen sich zurück. Leider. Alltagsstreß und viele Gründe gibt es dafür – aber wie lange noch kann man sich damit im Spiegel noch anschauen?

Nochmals zum eigentlichen Thema von ganz ganz oben: Gegen Fonds ist nichts einzuwenden. Sie geben einerseits die beste Grundlage für ein gutes Essen, sie können aber auch wichtige finanzielle Grundanreize für finanzielle Entwicklungen von Unternehmen anstoßen. Aber unter welcher Kontrolle.

Um ehrlich zu sein gibt es doch keine. Das Kapital ist frei. Komisch, dass sofort einfällt: zügellos. Das ist eine Sprache aus der Pferdehaltung. Ein Pferd zügellos – das geht durch. Nicht umsonst ist der nachhaltige Bauer ein gutes semantisches Bild für Wirtschaften. Er kann es schaffen sich selbst zu ernähren und zu versorgen und bereichert noch die Kulturlandschaft. Wem gelingt das noch heutzutage?

Gesellschaftliche Entwicklung. Schaut man nach oben, dann wird eine Rendite von 30% angestrebt. Schaut man nach unten: 5 Euro Mindestlohn ist angedacht. Ist das das Ergebnis von 100 Jahren Entwicklung des sozialen Kapitalismus?

Ich bin Optimist und seit einem Jahr Buddhist, das gibt Gelassenheit und Stärke. Aber leider bin ich auch Pessimist und deswegen wird die gebeutelte Durchschnittsfamilie die Moral, die Integrität, den Anstand und die Ehrlichkeit nicht im Ganzen wieder in die Gesellschaft zurückbringen können. Das machen schon die Kita-Diskussionen, die bayerische Lehrersituation, die Schulausstattung und vieles mehr deutlich.

Was mir einmal sehr imponiert hat, das waren zwei schwedische Lehrerinnen, die unabhängig voneinander über das Betrügen und Nützen von Spickzetteln in schwedischen Schulen sprachen: Nie hatten sie solches einmal getan. Warum?

Sie hätten sich selbst belogen.

Sich selbst belogen.

Wann fangen wir mit etwas anderem an.

Das Vokabular („Fehler“) ist sehr wohl angebracht. Seien Fehler auch rechtlich nicht sanktionierbar, so sind es dennoch (vielfach offensichtliche) Fehler. Eine Unterteilung in „rechtlich nicht sanktionierbar“ = „kein Fehler“ zeugt von Ignoranz. So sind Management-Entscheidungen in großen Firmen mit technischen und prozessualen Auswirkungen z.T. derart „falsch“, dass sie über Jahre hinaus nicht umsetzbar sind (der Spezialist spricht hier von der „Macht des Faktischen“) dennoch hohe finanzielle Mittel und Ressourcen in aussichtslosen Versuchen (Projekte) verschlingen und letztendlich doch im Sande verlaufen. Allerdings mit gravierendem Schaden für die Firma und ihre Mitarbeiter. Und die meisten haben es vorher ! gewusst. Allein sie fanden kein Gehör… So auch in der von ihnen aufgeführten Firma.