Ablichten einer Sandskulptur – gilt die Panoramafreiheit?

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Sandfigur auf dem Münchner Tollwood Festival

Jeder kennt Sandburgen am Strand oder – wie auf dem Foto erkennbar – Sandskulpturen auf einem Festival. Die auf dem Foto abgelichtete Sandfigur dürfte ohne Weiteres ein urheberrechtlich geschütztes Werk der bildenden Kunst sein (§ 2 UrhG). Zum einen erfordert § 2 UrhG keine »ewige« wahrnehmbare Formgestaltung – auch Eisfiguren oder Sandskulpturen, die nur für kurze Dauer existieren, genießen urheberrechtlichen Schutz. Zum anderen dürfte auch kein Zweifel daran aufkommen, dass die Schöpfungshöhe überschritten ist.

Die große Frage lautet aber: Darf ich die urheberrechtlich geschützte Sandfigur fotografieren und das Foto dann im Internet veröffentlichen?

Prinzipiell darf einzig und allein der Urheber darüber entscheiden, ob und wie er sein Werk verwertet. Er kann daher zunächst jedem verbieten, sein Werk zu nutzen, also z. B. zu vervielfältigen, zu verbreiten oder öffentlich wiederzugeben, es sei denn, er hat Dritten die Nutzung gestattet. Allerdings springt uns förmlich die Panoramafreiheit gemäß § 59 UrhG ins Auge. Diese Schranke erlaubt es Dritten, ein urheberrechtlich geschütztes Werk zweidimensional zu nutzen, d. h. zu vervielfältigen, zu verbreiten und auch öffentlich wiederzugegeben (worunter auch das Veröffentlichen des Werks gemäß § 19a UrhG im Internet fällt).

§ 59 Abs. 1 UrhG: »Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben.«

Das Tollwood-Festival in München befindet sich an öffentlichen Wegen (nämlich im Olympiapark). Aber ist eine Sandskulptur auch bleibend? Eine fest installierte Metallskulptur in der Mitte einer Verkehrsinsel oder ein Bauwerk sind definitiv bleibend. Der wochenlang verhüllte Reichstag war es hingegen nach Ansicht des BGH nicht, da es sich um eine zeitlich begrenzte Aktion handelte. Das Kunstwerk war nicht »bleibend«, da das Werk aus objektiver Sicht nur für einen begrenzten Zeitraum der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte. Anders verhält es sich allerdings nach der Literatur für vergängliche Werke, wie z. B. Pflastermalereien oder Eisskulpturen (höchstrichterliche Entscheidungen dazu gibt es nicht). Werke, die für die gesamte Dauer ihrer Existenz am Ort verbleiben, sind bleibend. Bleibend setzt daher nicht zwingend einen ewigen Verbleib voraus.

Fazit: Die auf dem Foto erkennbare Sandskulptur ist ein bleibendes Werk an einem öffentlichen Weg und darf fotografiert werden. Die Fotografie darf darüber hinaus im Internet veröffentlicht werden.

6 Gedanken zu “Ablichten einer Sandskulptur – gilt die Panoramafreiheit?

  1. Herzlichen Dank für den Beitrag. Wie ist es denn, wenn ich ein solches Foto kommerziell vermarkte, also z. B. im Internet zum Kauf anbiete?

    • Lieber Herr Huber, erlaubt ist auch die gewerbliche Verwertung des geschützten Werkes, solange sich die Nutzung im Rahmen des § 59 Abs. 1 UrhG bewegt. Erlaubte Mittel sind also: Malerei, Graphik, Lichtbild oder Film. In der Praxis ist die Vorschrift daher insbesondere für Postkarten, Filme, Bildbände, Reiseführer, Videos und Souvenirartikel bedeutsam. Nicht erlaubt ist dagegen die Nutzung einer veränderten Abbildung des Werks.

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