E-Mail-Überwachung am Arbeitsplatz

Veröffentlicht am 26. März 2008 von Dr. Christian Ostermaier | Arbeitsrecht | 9 Kommentare

Law-BlogDer Umfang der Kommunikation per E-Mail im Alltag nimmt stetig zu. Die Frage, in welchem Umfang der Arbeitgeber die E-Mail-Korrespondenz seiner Mitarbeiter kontrollieren darf, gewinnt damit immer mehr an Bedeutung.

Hinsichtlich der Überwachung der E-Mail-Korrespondenz ist zwischen mehreren Fällen zu unterscheiden: zwischen privater und dienstlicher Nutzung und hierbei wiederum zwischen der Überwachung von Verbindungsdaten und den Inhalten der E-Mail-Kommunikation.

Überwachung der Verbindungsdaten bei dienstlicher Nutzung

Die Überwachung und Aufzeichnung der Verbindungsdaten sowie der Ziel- und Sendeadressen bei rein dienstlichen E-Mails wird von der wohl herrschenden Meinung als zulässig angesehen.

Überwachung von Textinhalten bei dienstlicher Nutzung

Die Zulässigkeit der Kontrolle der Inhalte der dienstlichen E-Mails ist umstritten. Während es unbestritten ist, dass der Arbeitgeber berechtigt ist, den allgemeinen dienstlichen Schriftverkehr zu kontrollieren, wird dies für dienstliche E-Mails zum Teil bestritten. Zum Teil wird hier auch danach differenziert, ob die E-Mails an einen zentralen E-Mail-Account gerichtet sind oder an den E-Mail-Account eines einzelnen Mitarbeiters. Unter dem Gesichtspunkt, dass der allgemeine Schriftverkehr mehr und mehr durch die E-Mail-Kommunikation ersetzt wird und auch E-Mails als Handelsbriefe den gesetzlichen Aufbewahrungsfristen unterliegen, muss auch die Kontrolle und Kenntnisnahme dieser E-Mail-Korrespondenz durch den Arbeitgeber zulässig sein. Der Mitarbeiter muss hier in jedem Fall damit rechnen, dass die E-Mails archiviert werden und dann auch durch Dritte zur Kenntnis genommen werden können.

Überwachung der Verbindungsdaten bei privater Nutzung

Auch bei privater E-Mail-Korrespondenz am Arbeitsplatz ist die Erfassung von Datum, Uhrzeit und Datenvolumen zulässig, nicht aber die Erfassung der Ziel- und Absenderadressen. Für die Telefonnutzung, die der E-Mail-Nutzung vergleichbar ist, hat die Rechtsprechung entschieden, dass zwar Datum, Uhrzeit und Dauer von Telefonaten aufgezeichnet werden dürfen, nicht jedoch die gewählten Rufnummern.

Überwachung von Textinhalten bei privater Nutzung

Die Überwachung der Inhalte von privaten E-Mails am Arbeitsplatz durch den Arbeitgeber ist nur in wenigen Ausnahmefällen zulässig. Um sicherzustellen, dass bei einer eventuellen Kontrolle auch sicher ist, dass diese E-Mails nicht kontrolliert werden, empfiehlt es sich, die E-Mails als „privat“ zu kennzeichnen. Allenfalls bei einem begründeten Verdacht von Straftaten oder schweren Vertragsverletzungen kann im Einzelfall eine Kontrolle in Betracht kommen.

9 Gedanken zu "E-Mail-Überwachung am Arbeitsplatz"

Checkliste EMail-Überwachung: Was Arbeitgeber dürfen…

Ich finde die Überwachung am Arbeitsplatz sehr dubios. Lidl hat sich da selber ein Ei ins Nest gelegt und das noch vor Ostern. Man kann sich nirgendwo mehr sicher sein. Was weiß dein Arbeitgeber über dich, was er nicht wissen sollte. Wir sollten durch solche Geschichten sensibler werden und darauf achten, dass wir nicht Opfer solcher Überwachungen werden.

Überwachung am Arbeitsplatz, ein ziemlich ekliger Beigeschmack, aber es kann jeden Treffen wie man an Schlecker, Lidl und wie sie alles heißen mögen, sehen kann.

Zumal erschreckt mich, dass ja auch wir als Kunden dadurch total überwacht worden sind. In meiner Zeit in England war die Überwachung gang und gebe und man gewöhnt sich daran, aber das dies nun auch in Deutschland so ist. Die Verantwortlichen sollten auf jedenfall vor Gericht kommen.

Eine Überwachung bei der Arbeit ist zwar für die Mitarbeiter sehr nervig, aber wie soll sich denn der Arbeitgeber sonst absichern, dass der Mitarbeiter keine krummen Dinger per Email dreht.

Ausserdem gibt es sicherlich genug Mitarbeiter, die einen Großteil der Arbeitszeit mit Emailen (privat) verbringen. Die Gefahr vom AG erkannt zu werden könnte das evtl. eindämmen.

Man muss seinen Mitarbeitern ein gewisses Maß an Vertrauen schenken, sonst stimmt die Basis für das gemeinschaftliche Arbeiten nicht. Geschichten wie bei der Deutschen Telekom dürfen nicht zum Standard werden.

[…] es aber über einen Schulcomputer aufgerufen wird? Könnte dieser Zugriff, ebenso wie eine E-Mail am Arbeitsplatz, überwacht […]

Ich denke es sollten klarere Regelungen für die Überwachung gefunden werden. Beide Seiten haben natürlich ihre Argumente… dennoch ist meiner Ansicht nach eine Überwachung nur in Fällen mit einem hinreichenden Verdacht zu begründen.

Muster-Betriebsvereinbarung zur EMail-Überwachung durch Arbeitgeber…