D&O-Versicherung

Veröffentlicht am 15. November 2005 von Sonja Drexl-Trautmann | Gesellschaftsrecht | 8 Kommentare

Law-BlogDie D&O-Versicherung (Directors and Officers-Versicherung) deckt Risiken ab, die sich für Organmitglieder im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit bei einer Kapitalgesellschaft ergeben. Die ARAG / Garmenbeck-Entscheidung (BHG, ZIP 1997, 883) , der Fall Mannesmann oder Hartz machen die Tragweite der Haftung, derer sich Manager heute ausgesetzt sehen, deutlich.

Umso wichtiger ist daher eine D&O-Versicherung, die dem gesteigerten Haftungsrisiko der Manager durch eine wachsende Anspruchsmentalität, der Änderung und Neueinführung von Gesetzen oder auch der schlichten Rechtsfortbildung gerecht wird. Wer heute als Geschäftsführer keine entsprechende Versicherung hat, handelt schlicht fahrlässig.

Dei D&O-Versicherung gehörte nicht zu den Versicherungen, die man nicht nach Abschluss in die Schublade legt. Vielmehr sind es gerade diese Versicherungen, die wenigstens zweimal jährlich auf ihre Aktualiät hin überprüft werden sollten. Neue Akquisitionen und damit der Umbau einer Konzernstruktur, ein Wechsel in der Führungsriege, Veränderungen der geschäftlichen Tätigkeit sind Gründe oder ein Anlass, zu prüfen, ob die bestehende Versicherung noch alle Risiken umfasst.

Die hohen Haftungssummen sind aber auch Grund dafür, sich vor einer Inanspruchnahme für eine Pflichtverletzung zu schützen. Gerade die Beweislastumkehr gebietet eine lückenlose Dokumentation im Vorfeld insbesondere von risikoträchtigen Unternehmensentscheidungen, um ggf. eine Exkulpation zu ermöglichen, denn die Vorstände/Geschäftsführer haben den Nachweis dafür zu erbringen, dass sie in der Anwendung der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters gehandelt haben.

Beim Abschluss oder beim Wechsel der Versicherung sind die Rückwärtsversicherung und die Nachhaftung wichtige Punkte, die zwischen dem Versicherer und dem Versicherungsnehmer, i.d.R. der Kapitalgesellschaft, geklärt werden sollten. Grund hierfür ist das claims-made-Prinzip, auf dem D&O-Versicherungen basieren. Liegt die Anspruchserhebung nach einer versicherten Periode, so deckt die Versicherung das Risiko nur, wenn eine Nachhaftungsvereinbarung getroffen wurde.

Wichtiger Bestandteil einer Versicherung ist immer auch der berühmte Fragebogen, der von den meisten Versicherungsnehmern zu stiefmütterlich behandelt wird. Die Versicherer werden in erster Linie versuchen, sich gegen eine Inanspruchnahme zu wehren, indem sich anführen, ein Fragebogen sei unvollständig oder schlicht falsch ausgefüllt worden. Lassen Sie sich deshalb dringend von einem Rechtsanwalt etc. beraten, wenn sie als Vorstand oder Geschäftsführer einen solchen Fragebogen ausfüllen.

Ein letzter Punkt an dieser Stelle: gerade im Vorfeld einer Klage bzw. vor formaler Anspruchserhebung entstehen oftmals bereits erheblich Beratungskosten, die in der Regeln noch nicht von der Versicherung gedeckt sind. Schützen Sie sich daher durch eine Side-letter-Vereinbarung davor, für diese Kosten ggf. mit Ihrem Privatvermögen einstehen zu müssen.

8 Gedanken zu "D&O-Versicherung"

Gibt es überhaupt relevante Haftungsfälle?

Grundsätzlich gilt natürlich die Devise: wo kein Kläger, da kein Richter. Aber glauben Sie mir, die D&O für einen Manager ist so wichtig wie die Haftpflicht für einen Anwalt. Man redet nur nicht gerne über die tatsächlichen Fälle, da zumeist ein hoher Imageschaden – siehe Ackermann – damit verbunden ist.

Wie ich finde, eine gute Basisinfo. Allerdings fehlt mir ein wichtiger Hinweis auf die im Markt befindlichen „gruseligen“ bedingungswerke. Hier: das GDV-Modell enthält ca. 18 Ausschlüsse, die dazu führen, dass eigentlich kein versicherungsschutz besteht.
Auch wichtig, die vorsätzlichen Pflichtverletzungen sind regelmässig ausgeschlossen (Alternativ: wissentliche Pflichtverletzung). Hier ist die Kombination mit einer VH-RS wichtig.

Bei Fragen gern: JoergReiner@kompakt-assekuranz.de

Eine gute Basisinfo zu finden stellt sich recht schwer da. Da hilft eigentlich nur der Gang zu einem fachlich versierten Versicherungsmakler – wie gesagt – fachlich versiert. Gerade die D & O Versicherung ist ein hochkomplexes Produkt welches enormer Fachkenntnisse bedarf. Hinsichtlich der 18 genannten Ausschlüsse sei noch anzumerken – das ist nicht bei jeder Gesellschaft so…

besonders die lückenlose dokumentation, dürfte zu gespächen“auf den gängen“ sehr schwer fallen, zumal dort die meisten der unsäglichen entscheidungen getroffen werden. siehe piech und der phaeton.

Zwischenzeitlich gibt es wirklich interessante Modelle zu (noch) fairen Preisen. Auch für 1 Mann GmbH’s werden mittlerweile D&O Versicherungen angeboten. So kann dort dann z.B. die GmbH den (einzigen) Geschäftsführer (der genau genommen auch Gesellschafter ist) herangezogen werden. Je nach Produktanbieter der D&O Versicherung wird dies dennoch als regulärer Schadenfall angesehen.

Unbegrenzte Rückwärtsdeckung und 3-5 Jahre Nachhaftung sind zudem weitere interessante Möglichkeiten in den D&O Versicherungen von heute.

Hallo law- blogger!

Ich benötige dringend Hilfe: ich bin versicherte D&O – Person, habe einen Fehler begangen und würde liebend gerne die Versicherung in Anspruch nehmen, aber mein Versicherungsunternehmen kommt mir genau mit dem Einwand der zuvor erwähnten „wissentlichen Pflichtverletzung“. Soweit ich begreife, handelt es sich hierbei doch um direkten Vorsatz, oder ?
Gibt es hierzu bereits Urteile? Und kann mir jemand einen guten Anwalt empfehlen, der meine Ansprüche gegenüber dem Versicherungsunternehmen prüfen kann?

Herzlichen Dank!

Die Problematik mit der wissentlichen Pflichtverletzung ist leider immer wieder ein Thema. In den letzten Jahren haben sich aber viele Tarife ebenfalls weiterentwickelt. Experten Raten beim D&O Versicherung Vergleich wirklich genau darauf zu achten, was man absichert. Leider wird auch hier viel zu häufig lediglich auf den Beitrag geachtet. Als Tipp – Ein Geschäftsführer sollte sich am besten selbst direkt darum kümmern und die Leistungen gerade in diesem Punkte der Pflichtverletzung vergleichen.