Fotorecht Spezial Teil 7: Rechte am Motiv, abgebildete Personen

Zum vorigen Teil 6: „Anspruchsgegner und Durchsetzung“.

3 Rechte an dem, was abgebildet wird

Law-BlogSehr wichtig für Fotografen ist es, nicht nur dafür zu sorgen, dass die Rechte an Ihren Fotos von Dritten nicht verletzt werden. Sie müssen sich auch darum Gedanken machen, nicht selbst durch und mit ihren Bildern bzw. deren Veröffentlichung und Verbreitung die Rechte Dritter zu beeinträchtigen. Die Rede ist hier natürlich von den Rechten an dem, was da abgebildet wird; dem Motiv: Menschen, Bauten, Kunstwerke, Markenprodukte, Eigentum Dritter.

Viele der in der Praxis auftretenden Rechtsstreitigkeiten rühren aus diesem Bereich. Gleichzeitig scheint hier die größte Unsicherheit zu herrschen, hier geistern die meisten Legenden und fragwürdigen Daumenregeln durch die fotografische Community. Grund genug, die Sache genauer unter die Lupe zu nehmen.

3.1 Personen

Die meisten Probleme treten zweifellos bei der Abbildung von Menschen auf. Hier prallen häufig Interessen aufeinander: da ist eine abgebildete Person mir ihrem Bild nicht zufrieden; da hat ein Modell inzwischen geheiratet und ist „bürgerlich“ geworden, die vorher geschossenen freizügigen Bilder sind da peinlich; da wird ein – eigentlich „nicht zusammengehörendes“ – Pärchen bei einer öffentlichen Veranstaltung auf einem Bild festgehalten und ist nun in der Lokalpresse auch für die jeweiligen Ehepartner zu bewundern.

Fragen im Zusammenhang der Abbildung von Personen regelt das „Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie“, das KunstUrhG. Weil aus diesem – ohnehin nur noch zum Teil geltenden – Gesetz für unsere Zwecke ohnehin nur zwei Paragraphen von gesteigertem Interesse sind, kann es nicht schaden, sich an dieser Stelle einen Überblick über den Gesetzestext zu verschaffen:

§ 22 KunstUrhG
Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, dass er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt. Nach dem Tode des Abgebildeten bedarf es bis zum Ablaufe von 10 Jahren der Einwilligung der Angehörigen des Abgebildeten. Angehörige im Sinne dieses Gesetzes sind der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner und die Kinder des Abgebildeten und, wenn weder ein Ehegatte oder Lebenspartner noch Kinder vorhanden sind, die Eltern des Abgebildeten.

§ 23 KunstUrhG
(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:
1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;
3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;
4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.
(2) Die Befugnis erstreckt sich jedoch nicht auf eine Verbreitung und Schaustellung, durch die ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten oder, falls dieser verstorben ist, seiner Angehörigen verletzt wird.

Das klingt an sich nicht unglaublich kompliziert. Ist es eigentlich auch nicht. Allerdings ist zu bedenken, dass das Gesetz aus dem Jahre 1907 stammt. Inzwischen haben ein Jahrhundert Rechtsprechung, das Grundgesetz, eine praktisch runderneuerte Lehre vom allgemeinen Persönlichkeitsrecht, die EU mit dem Europäischem Gerichtshof und seiner prominentenfreundlichen Auslegung der Bildnisfreiheit und nicht zuletzt eine stürmische technologische Entwicklung viele Detailfragen geklärt, Unklarheiten beseitigt und teils auch ganz eigene Regeln aufgestellt, die sich so ohne weiteres nicht aus dem reinen Text des KunstUrhG ergeben. Wir werden also – im nächsten Teil – hier etwas vertiefter nachsehen müssen.

36 Gedanken zu “Fotorecht Spezial Teil 7: Rechte am Motiv, abgebildete Personen

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  2. Guten Tag –

    für die Abbildung von Personen haben Sie etwas Licht in mein persönliches Dunkel gebracht. Vielen Dank dafür. Wie sieht es aber mit der Integration von Logo’s in ein Bildmotiv aus? Für einen Kunden aus dem Bankbereich machen wir gerede ein Fotoshooting in einer Filiale und haben die Erlaubnis, diese Fotos gewerblich zu vertreiben. Die Bank arbeitet mit autonomen Gebietsstrukturen. Da liegt es Nahe, anderen Geschäftstellen die Fotos anzubieten. Wir fragen uns, ob beim Vertrieb der Foto’s eine Verletzung vom Markenrecht vorliegen würde. Können Sie mir weiter helfen, wo werde ich fündig und finde Rechtssicherheit.
    Vielen Dank.

  3. Vielen Dank für diese informative Serie.
    Vielleicht können Sie noch ein wenig mehr auf Absatz 4 von §23 eingehen.

    Mir stellt sich die Frage, was genau in diesem Sinne ein höheres Interesse der Kunst ist und wer dies bestimmt. Darf ein Hobbyfotograf mit diesem Argument Bilder in seinem Fotoblog veröffentlichen, die er auf der Straße von völlig unbekannten Personen gemacht hat? Oder befreit das nur den international bekannten Fotokünstler, unter denen es ja zahlreiche Beispiele genau dieser Vorgehensweise gibt? Oder haben die nur Glück, weil sie keine Deutschen sind und damit nicht unter dieses Recht fallen.

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  5. … als gezeigte Person habe ich einige Fragen. Zum Fall: Ich wurde ab Jan.2006 bis Aug. 2006 als Werbefigur mitten auf einem Plakat an mehreren Pfarren und Verbänden, und im Internet für eine Art Seminar oder Frauentreff veröffentlicht. Weder meine noch die Einwilligung des Fotografen wurde angefragt oder zugesagt. Durch Zufall wurde mir also bekannt, dass ich in einem Schaukasten an einer Kirche auf einem Plakat abgebildet bin, dass für mehrere dieser Treffen wirbt. Nach einigen Nachforschungen fand ich auch eine Abbildung auf der Internetseite des Verbandes. Wir haben die Verantwortlichen schriftlich um Unterlassung gebeten und erfahren, dass diese Plakate mehrfach an rechtlich selbständige Pfarren und an viele dem Bistum angehörige Gemeinden verteilt wurde. Was die urheberrechtliche Entschädigung angeht, haben wir einen Anwalt eingeschaltet. Jedoch würde ich als Dargestellte Person gerne wissen, ob ich auch einen Anspruch auf geldliche Entschädigung habe. Schadenersatzansprüche oder eine Art Honorar als Model. Ich bin nicht negativ dargestellt, zumal ich das Foto auf meiner Internetseite selber ausstelle. Von dieser wurde das Bild warscheinlich auch entwendet. Ich vertrete aber auch keinerlei kirchliche Verbände oder deren Interessen.

  6. @Miriam:

    Ich ringe virtuell ganz verspannt meine Hände. Aber wir können (und dürfen) zu so ganz konkreten, fallbezogenen Fragen hier nicht Stellung nehmen.

    Die generelle Antwort auf Ihre Frage – ob es also Schadenersatz bei der Verletzung von Persönlichkeitsrechten gibt (nochmal: ob die hier voliegt muss Ihnen Ihr Anwalt sagen) – finden Sie in den Beiträgen: ja.

  7. Hallo Herr Trautmann,

    zunächst Lob für Ihre für Juristen eher untypische Art, komplexe Sachverhalte für juristische Laien plakativ und verständlich darzustellen!

    Die Rechtslage hinsichtlich des Fotografierens von Gebäuden und Personen ist mir soweit klar, aber wie sieht es mit Maschinen aus? Nehmen wir folgendes Beispiel: Der Fotograf wird vom Maschinenhersteller beauftragt, für die Betriebsanleitung Fotos herzustellen. Soweit es sich also um Maschinenteile handelt, die der Hausherr und Auftraggeber selbst herstellt sollte das kein Problem sein. Wenn aber Anlagenteile zu fotografieren sind, die von Unterlieferanten eingebaut wurden, ist mir die Situation nicht mehr klar. Dürfen dieses Anlagenteile ohne Einwilligung des Lieferanten fotografiert und in Technischen Dokumentationen abgebildet und vervielfältigt werden?

    Ich freue mich auf Ihre Anwort!

    Gruß aus Alzenau

    Ulrich Thiele

  8. @Herr Thiele,

    ich wage es kaum zu schreiben: das ist so Teil 13 oder 14, den muss ich schlicht noch schreiben. Soviel vorab: es hängt – in aller Regel, bei keinen bestehenden Sonderschutzrechten – von der Eigentumslage ab.

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  10. Auch ich bedanke mich für dieses Projekt – nirgends sonst bekommt man die komplizierte Welt der Paragraphen so einleuchtend erklärt.

    In der Frage des Rechts am Motiv bin ich gespannt, wann/wie das private Eigentum behandelt wird… wie beispielsweise ein auf öffentlicher frei zugänglicher Parkfläche abgestellter Oldtimer.

    mfG,
    Marco Pagel

  11. Zuerst möchte ich mich natürlich auch für diese tollen und sehr ausführlichen Hinweise und Erklärungen bedanken. Allerdings interessieren mich die Rechte zu abgebildeten Personen eigentlich überhaupt nicht und ich versuche schon die ganze Zeit herauszufinden, wie es sich mit Produktbildern verhält. Also Fotos auf denen beispielsweise ein Handy abgebildet ist o.ä. Weißer/kein Hintergrund und nur das Produkt. Einige Newsportale haben zum Beispiel schon Bilder des neuen Nokia N95 veröffentlicht und geben teilweise nokia.de als Quelle an. Auf dieser Webseite konnte ich allerdings die entsprechenden Bilder nicht finden.
    Darf man solche Bilder nutzen wenn ja, von welcher Quelle dürfen solche Bilder genutzt werden?
    Wird eventuell zu diesen Fragen noch ein Teil Ihrer Serie erscheinen? 😉

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  28. Hallo,

    ich habe eine Frage zu abgebildeten Motiven, die in dem Artikel nicht wirklich geklärt wird:
    Ein Schausteller baut ein Karussell auf einer Kirmes auf. Damit stellt er es auf einem öffentlichen Platz zur Schau. Darf er das fotografieren seines Geschäftes untersagen (und die Veröffentlichung der Bilder im Internet?)? Mir erscheint das zweifelhaft, da er sich ja im öffentlichen Raum bewegt. Gibt es zu einer solchen Thematik schon Urteile?
    Vielen Dank schon mal im vorraus!

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  31. Hallo,

    wie sieht es eigentlich mit dem Recht am eigenen Bild aus, wenn eine prominente Person fotografiert wurde. Hat diese am Ende auch ein Recht an ihrem (Agentur-)Bild und kann dieses beispielweise auf ihrer Homepage veröffentlichen?

  32. Hallo,
    ich habe eine Frage, für die ich weder hier, noch im Netz sonst eine Antwort gefunden habe:

    Ich möchte eine Person (auch gegen Ihren Willen) fotografieren.
    Das Bild dient aber lediglich meiner eigenen Sammlung und wird in keiner Weise öffentlich wiedergegeben.

    Wie sieht dabei die rechtliche Lage aus?

    Vielen Dank für die Antwort..
    Tobias

  33. Wie ist das eigentlich, wenn man selbst keine Urheberrechtsverletzung begeht, sondern stattdessen auf eine Website verlinkt die wiederrum das Urheberrecht verletzt. Was ist also z.B. wenn ich einen Blogeintrag schreibe über eine Person, da ich aber keine Rechte habe die Person darzustellen öffne ich als Link eine andere Website in neuem Fenster mit der behandelten Person… Wird diese Urheberrechtsverletzung der verlinkten Seite dann auch zu meinem Problem?

    Grüße
    Dirk

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