07.09.05

Fotorecht-Spezial Teil 2; Bearbeiterrechte, Urheberrechtsvermerke

- Fotorecht -

Zum Fotorecht Spezial Teil 1: Recht am Bild.

2.1.2 Bearbeiterurheberrecht

Law-BlogEigene Urheberrechte kann auch derjenige erwerben, der ein fremdes Bild lediglich bearbeitet, § 3 UrhG. Grundsätzlich kann man hinsichtlich der Frage, wann eigentlich eine solche Bearbeitung vorliegt folgende drei Fälle unterscheiden:

Zunächst kann sich jemand von einem fremden Bild lediglich inspirieren lassen. Er lehnt sich in manchen Punkten an dieses Bild an, schafft aber dennoch etwas eigenständig, aus sich heraus Neues.

Bsp: Ein Fotograf betrachtet eine Szene mit zwei Menschen, die sich auf der Straße treffen in einem Werk von Chad Kroski. Er überlegt sich, wie die Szene weitergehen könnte und fotografiert eine „Fortsetzung“. Der Fotograf kann dieses Werk veröffentlichen, ohne Chad Kroski vorher um seine Einwilligung zu bitten.

Man spricht hier von der sog. freien Benutzung, die gerade keine Bearbeitung i.S. des § 3 UrhG ist. An dieser bestehen eigene Rechte, sie können benutzt und verwertet werden ohne, dass dabei die Rechte an dem „bearbeiteten“ Werk (das ja nur Inspirationsquelle war) berührt werden.

Weiterhin kann jemand ein fremdes Bild in einer Art und Weise bearbeiten, die das bearbeitete Werk noch deutlich durchscheinen lässt.

Bsp: Ein Photoshop-Experte nimmt sich das Werk Chad Kroskis vor. Er digitalisiert mehrere seiner Bilder. Diese verfremdet er und fertigt daraus Collagen.

In diesem Fall entsteht ein eigenständiges Recht an der Collage als der Bearbeitung des ursprünglichen Werkes. Da dieses aber noch „durchscheint“ wären von einer Veröffentlichung der Collage auch die Rechte Chad Kroskis berührt. Dieser muss vorher also seine Einwilligung gebeten werden, § 23 UrhG.

Es kann zuletzt der Fall so liegen, dass jemand ein fremdes Bild lediglich „handwerklich“ bearbeitet. Die „Bearbeitung“ (die eben im Sinne des Urheber-rechts gar keine ist) erreicht dann selbst keine Werkqualität

Bsp: In der Regel entsteht kein Urheberrecht des Bearbeiters beim

  • Scannen einer Vorlage
  • „handwerklichen“ Bildbearbeitungen, etwa Kontrastanhebung, „Wegstempeln“ von Hautunebenheiten bei Porträts
  • Vergrößern, Verkleinern, Umwandeln von Bildformaten etc.
  • 2.1.3 Entstehung der Rechte, Kennzeichnungen am Werk

    Die Urheberrechte an einem Bild entstehen im Moment des Schaffens. Eigene Rechte kommen dabei – wenn sie selbst schutzfähig sind – auch Vorarbeiten, Skizzen, Aufzeichnungen oder Dokumentationen zu.

    Entgegen dem weit verbreiteten Volkglauben ist es nicht erforderlich, am Werk ein Copyright-Zeichen o.ä. anzubringen (siehe dazu auch hier).

    Gänzlich unpraktisch ist ein solcher Vermerk aber nicht.

    Das ergibt sich zum einen aus rechtlichen Gründen. Nach § 10 I UrhG wird der so benannte nämlich bis zum Beweis des Gegenteils als Urheber vermutet. Diese Beweiserleichterung ist etwa in einem gerichtlichen Verfahren ausgesprochen praktisch; der Beweis, Urheber eines bestimmten Bildes zu sein fällt im Plagiatsprozess nämlich oft gar nicht leicht.

    Der Copyright-Vermerk hat aber auch rein praktisch eine gewisse psychologische Wirkung

    Anm: Zur Frage, ob die häufig exzessiv angewandten und besonders groß und effektvoll durch das Bild laufenden gängigen Copyright-Vermerke neben der immerhin teilweise gegeben rechtlichen Wirkung in visueller Hinsicht zu überzeugen vermögen, möchte sich der Autor nicht äußern.

    Im nächsten Teil: wer ist eigentlich Urheber und was ist Inhalt des Urheberrechts, was kann ich damit anstellen?

    Schlagwörter:



    14 Feedbacks

    einfach persoenlich Weblog

    Foto-Recht Spezial – neunteiliges Tutorial

    Fotografieren ist ein gefragtes Hobby. Doch welche rechtlichen Aspekte muss man beachten? Rechtsanwalt Arne Trautmann traut sich und klärt Foto-Freunde auf. Heute ist der letzte von neun Teilen des Tutorials Foto-Recht auf dem law-blog.de online g…



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    Lene

    Hallo,
    ich hätte da mal ne Frage und zwar würde ich gerne wissen ob ich Fotos, die ich selbst von Stars gemacht habe an Fans verkaufen darf???
    Gruß Lene



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    Joachim Simon

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    wenn ich ein Bild aus dem Internet „downloade“ und es so bearbeite, dass es mit dem Original nicht verwechselt werden kann…darf ich das? als Beispiel..
    ich nehme aus dem Netz ein Foto von der Towerbridge und versetzte sie ins Jahr 2500..Es endsteht ein Scifibild…oder das original ist im Sommer fotografiert, und ich versetze es in den Winter..also Schnee drauf etc.
    Vielen Dank im Voraus
    Joachim Simon



    Arne Trautmann

    @Herr Simon,

    die Antwort finden Sie im Artikel. Es kommt nicht darauf an, ob man das ursprüngliche und das neue Bild verwechseln kann, sondern ob das alte Bild noch „durchscheint“, ob also eine freie oder eine unfreie Bearbeitung vorliegt. Bei Ihren Beispielen würde ich (es geht ja auch um einen gehörigen „Sicherheitsabstang“) im Zweifel eher zu einer unfreien Bearbeitung tendieren. Viel wird auch davon abhängen, ob in dem Augangsbild nur ein einfaches Lichtbild oder ein Lichtbildwerk vorliegt.



    Ratko Delorko

    Sehr geehrter Herr Trautmann,

    vielen Dank für Ihre wichtigen Hinweise. Darf ich Sie mit folgender Frage bemühen? Ich habe den Transport eines Flügels auf den Dachstein mit etwas 10 Personen fotografiert. Das Konzert in der Höhle erscheint auf DVD. Auf einen Menüpunkt wollte ich die Foto-Dokumentation des Transportes setzen. Muss jeder der Transporteure seine Einwilligung schriftlich geben, was kaum möglich ist? Wie verhält es sich, wenn die Personen mit dem Rücken zum Betrachters stehen und nicht erkennbar sind? Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

    Beste Grüße

    Ratko Delorko



    A.F.

    Sehr geehrter Herr Trautmann,

    ich habe eine allgemeine Verständnisfrage, die sich vielleicht viele Internetuser stellen: Darf man ein „Spaßfoto“ (kein Bildnis), dass man irgendwo im Netz findet oder per mail zugesandt bekommt, auf seine eigene – rein zu privaten Zwecken, wenig frequentierte – Homepage stellen? Stellt dies, ohne das man davon wusste oder wissen konnte, eine Urheberrechtsverletzung dar für die Gefahr besteht, Schadensersatz zahlen zu müssen?

    Vielen Dank!



    Arne Trautmann

    @AF: Nunja, auch so ein Spaßfoto ist im Zweifel ein Lichtbild. Man weiß eben nicht, woher es kommt, wer es angefertigt hat und ob er mit dieser Art der öffentlichen Zugänglichmachung einverstanden ist. Auch wenn das Risiko, hier Ärger zu bekommen, eher gering ist: eigentlich ist’s nicht in Ordnung. Man riskiert halt die ganze Latte an urheberrechtlichen Rechtsfolgen, die finden Sie im Artikel beschrieben…



    takoko

    Hallo,
    mir wäre sehr interessant, wenn ich ein Foto vom Netz kopiere, dann einfach bearbeite, z.B. mit Name versehen und weiter das von mir versehene Foto benutzen? Normalerweise, wenn ich irgendeine Veränderung tue, existiert ein neues Foto, weil mit dem Alten nur ähnlich aussieht, ist aber nicht dasgleiche!
    Liebe Grüße
    takoko



    F.

    Hallo,

    ich habe bilder vom fotografen machen lassen (ohne entgelt da er mich angesprochen hat). ich habe ihm nicht erlaubt auf seiner internetseite die bilder zu veröffentlichen. ich selbst habe in einem „chatforum“ 2 3 bilder die bearbeitet wurden von mir( man sieht nicht mehr den ganzen körper sondern nur noch das gesicht). meine frage. brauche ich die einwilligung von dem „möchtegern“ fotografen dass ich meine eigenen bearbeiteten bilder die MICH zeigen einstellen darf? kann ich mit meinen bildern machen was ich möchte da lediglich ICH auf dem bild bin!?

    danke



    Ulrike Gruch

    Sehr geehrter Herr Trautmann,

    für Hintergründe beim Fotografieren von Food oder Deko verwende ich ua. Papiere und Stoffe, die wiederum auch schon von Designern gestaltet wurden. Können diese Fotos veröffentlicht werden, auch in Produkten wie Karten oder Büchern, die zum Verkauf bestimmt sind? Von den Hintergründen ist dann mal mehr und mal weniger zu sehen.

    Vielen Dank
    Ulrike Gruch



    jonas

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wie ist es denn, wenn eine S/W-Fotografie mit erheblichem Aufwand (inkl. Recherche) nachträglich koloriert wird (nach bis zu 70 -100 Jahren nach Aufnahme). Entsteht hier ein nach dem Urheberrecht geschütztes Werk?

    Beste Grüße,

    Jonas



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