Zwingt die DSGVO Onlinehändler zu Gast-Accounts?

Veröffentlicht am 28. März 2018 von admin | Datenschutz E-Commerce | 0 Kommentare

DSGVO gast-account onlinehändlerEin Beitrag eines anderen Blogs sorgt für Furore. Demnach soll die am 25.05.2018 in Kraft tretende DSGVO Onlinehändler dazu zwingen, Gast-Accounts zur Verfügung zu stellen. Bei einem Großteil der Onlineshops ist es bislang üblich, dass die Käufer vor ihrer ersten Bestellung einen Account anlegen müssen.

Der zitierte Beitrag behauptet, als Rechtsgrundlage für ein Kundenkonto komme nur eine Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. a DSGVO) in Betracht. Wäre der Kunde gezwungen, einen Account zu erstellen, stünde dem das Kopplungsverbot nach Art. 7 Abs. 4 DSGVO entgegen.

Wir meinen allerdings, dass diese Auffassung nicht zutrifft, sondern vielmehr der Panikmache dient: im Rahmen eines Online-Kaufvertrags speichert nämlich der Verkäufer ohnehin die für die Abwicklung des Vertrags notwendigen personenbezogenen Daten. Als Rechtsgrundlage hierfür dient unproblematisch Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. b DSGVO, wonach die Verarbeitung von personenbezogenen Daten rechtmäßig ist, wenn es der Erfüllung eines Vertrags, dessen Vertragspartei die betroffene Person ist, dient. Ohnehin sind bilanzierungspflichtige Unternehmen gehalten, Kunden- bzw. Debitorenkonten anzulegen. Rechnungen, Gutschriften, Retouren etc. müssen schließlich zugeordnet werden können. Zudem müssen vertragsbezogene Daten 10 Jahre lang für das Finanzamt aufbewahrt werden.

Demnach darf (bzw. muss) der Onlinehändler ohnehin Daten wie Namen, Adresse, Bankdaten, E-Mail-Adresse und ggf. das Alter erheben. Soweit sich der Verkäufer entscheidet, die Abwicklung nur mit Kundenkonten zu ermöglichen, beispielsweise, weil das die Abwicklung der Verträge erleichtert, hilft zumindest Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f DSGVO weiter: Der Verantwortliche darf Daten auch zur Wahrung seiner berechtigten Interessen verwenden. Ein berechtigtes Interesse des Online-Händlers an Kunden-Accounts liegt meines Erachtens vor.

Fazit: Die DSGVO zwingt Onlinehändler nicht dazu, Gast-Accounts anzubieten. Denn nicht erst die Verpflichtung, ein Kundenkonto anzulegen, „zwingt“ den Betroffenen dazu, seine personenbezogenen Daten an den Verkäufer zu übermitteln, sondern bereits die Bestellung als solche. Und zur Abwicklung der Bestellung ist die Datenverwendung gemäß Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. b bzw. f. DSGVO ohnehin zulässig.

Beitragsfoto: © Alexander Limbach / Fotolia

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Maximilian Greger ist Partner und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei SNP Schlawien in München. Er berät vorwiegend mittelständische Unternehmen und Startups im Marken-, Wettbewerbs-, Online- und Datenschutz

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